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Gespräche & Sinn

Third Places for Being: Warum wir Orte brauchen, die uns verbinden

von Gesa D. Löhr · 2026-09-01T12:03:20.186+00:00

Große Holzskulptur in Form einer spiralförmigen, fossilen Schnecke im Hotel Soulmade in Garching

Café, Bibliothek oder Nachbarschaftstreff. Manche Orte sind mehr als nur Orte. Sie bringen Menschen zusammen und schaffen ein Gefühl von Zugehörigkeit. Gesa D. Löhr schreibt darüber, was solche „Third Places“ so wertvoll macht und warum echte Begegnungsräume auch digital entstehen können.

Auf den Punkt gebracht: Dritte Orte ermöglichen uns bereichernde Gespräche und Erfahrungen. Sie geben uns das Gefühl der Zugehörigkeit und verbinden uns mit anderen Menschen.

Die meisten Menschen verbringen am Arbeitsplatz und zu Hause wohl die meiste Zeit. Es gibt jedoch noch einen anderen, grundlegenden Raum, der uns gemeinsame Erfahrungen und ein angenehmes Zugehörigkeitsgefühl vermittelt: der sogenannte Dritte Ort (engl. Third Place oder auch Great Good Place).

Er ist ein relevanter Treffpunkt, der Menschen im Alltag immer wieder Ausgleich zwischen dem Zuhause und dem Arbeitsplatz ermöglicht. Das kann ein Café, ein Biergarten, ein Friseur oder eine Bibliothek sein.

Ich gehe sofort in Resonanz: denn genau so erfahre ich es seit mehr als drei Jahrzehnten – als Salonière (eine meiner facettenreichen Aufgaben als langjährige Unternehmerin). Und als Privatmensch in meiner kleinen Stadt.

Der Soziologe Ray Oldenburg (1932 bis 2022) beschrieb diese Idee in seinem Buch „The Great Good Place“* so: „Es handelt sich um Orte, an denen das öffentliche Leben stattfindet. Wir sind uns meistens nicht darüber bewusst, wie wichtig diese Räume sind und wie viele Funktionen sie erfüllen.“ [1]

Ich lade dich ein, gerne mit mir gemeinsam, darüber nachzudenken und dich auszutauschen, damit wir in Zukunft die Dritten Orte bewusst aufsuchen und genießen können. Vielleicht sogar welche kreieren – miteinander?

Der Dritte Ort: Räume, in denen das Gemeinschafts(er)leben stattfindet

Oldenburg definiert in seinem Buch drei Haupträume, in denen sich dieses tägliche Leben abspielt:

Denn wir kommen an einem Dritten Ort zusammen, um soziale Beziehungen zu pflegen und uns mit unseren Mitmenschen auszutauschen. Trotz finanzieller, kultureller oder sozialer Diskrepanzen sind diese Räume heilsam und fördern die Resilienz.

Cafés, Bibliotheken, Friseursalons, Parks oder andere Dritte Orte haben alle folgende Gemeinsamkeiten:

Sie werden in erster Linie von Menschen frequentiert, die sich an diesen Orten regelmäßig treffen. Man begegnet hier also immer wieder bekannten Gesichtern und kann Erfahrungen austauschen.

Der Dritte Ort in unserer Gesellschaft ist in vielerlei Hinsicht entscheidend

Wir lernen, Demokratie zu praktizieren, denn hier gelten gemeinsame Regeln, an die wir uns halten müssen. An jedem Ort gibt es spezifische gesellschaftliche Normen: In Geschäften müssen wir warten, bis wir an der Reihe sind, im Kino oder in der Bibliothek müssen wir still sein. Toleranz, Vielfalt und eine respektvolle Koexistenz sind wichtige Voraussetzungen.

Diese Regeln zu akzeptieren und einzuhalten ist Teil eines Gesellschaftsvertrags, der auch eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt und dafür sorgt, dass Gesellschaften funktionieren. Wenn wir uns nicht daran halten, verlieren wir Vorteile, die für unser Wohlergehen entscheidend sind, unter anderem menschliche Beziehungen, soziale Unterstützung oder das Gefühl der Zugehörigkeit.

Teil einer Gemeinschaft zu sein, das Gefühl, dazuzugehören und wichtig zu sein, schützt unsere körperliche und psychische Gesundheit. Unsere Mitmenschen bereichern unser Leben und geben ihm einen Sinn. Wenn wir keine sozialen Kontakte pflegen, ist das Risiko von Isolation, Depression oder Suchtverhalten höher.

Das Gemeinschaftsleben zurückgewinnen

Wir messen diesen Dritten Orten nicht immer ausreichend Bedeutung bei, solange wir wissen, dass wir sie jederzeit aufsuchen können. Während der Einschränkungen in der Pandemie ist allerdings vielen sehr bewusst geworden, wie wichtig diese Räume und die sozialen Kontakte, die wir darin pflegen, sind.

In manchen Ländern, wie beispielsweise Spanien, sind diese Räume wichtiger als in anderen. In Japan bleibt zwischen Arbeit und Familie kaum Zeit, Dritte Orte zu genießen. Sie sind jedoch für die Work-Life-Balance grundlegend. Wir sollten die zunehmende Tendenz des Individualismus infrage stellen und uns vermehrt diesen Gemeinschaftsräumen zuwenden, die uns soziale und emotionale Stabilität, Lebensfreude und bereichernde Momente bieten. Kein Bildschirmgerät kann die Zeit mit Familie, Freunden oder ein lehrreiches Gespräch mit unbekannten Menschen ersetzen. Kein digitales Netzwerk kommt an eine wahre Begegnung heran, die unsere Lebensqualität und unsere emotionale Gesundheit verbessert.

Was ist mein Bezug zu diesem wichtigen gesellschaftlichen Thema?

Ich habe mit meinem Unternehmen Agentin für Wandel über 25 Jahre immer wieder Räume geschaffen und gehalten – meist im Rahmen eigener Netzwerkinitiativen lud ich ein zu Salongesprächen, in denen sich Businessfrauen in generationenübergreifenden Wandlungsphasen miteinander austauschen, sich stärken und vernetzen konnten. Als Gastgeberin – sogenannte Salonière – lebte und liebte ich diese Rolle in dritter Frauengeneration (nach Urgroßmutter Selma und Großmutter Frida in weiblicher Linie).

Nach meinem 36-monatigen Sabbatical (2019 bis 2021) beschloss ich, meine Unternehmensberatung zu schließen und als DIE LEBENSPILGERIN noch einmal ganz neue Wege zu gehen.

So engagiere ich mich ehrenamtlich seit September 2022 im Schulwegdienst für Achtsame Mobilität. Seit März 2023 bin ich Gastgeberin und Gesellschafterin im Familienzentrum der Nachbarschaftshilfe meiner Stadt, im sogenannten "Offenen Treff".

Und auch, wenn ich Menschen mit chronischen Erkrankungen in achtsamen GehSprächen durch die Natur begleite, bewegen wir uns in einem entschleunigenden Third Place.

Im Juli 2026 schlage ich erneut neue Wege ein: Es ruft mich, in meinen Social-Media-Blogs über Dritte Orte und Generationenbegegnung zu schreiben. Und so kommen wir jetzt zusammen: Boomer – das Live-Magazin für die Generation 55+ und ich als Lebenspilgerin und Generationenmentorin.

„Echte Gespräche. Echte Themen. Echte Begegnungen. Mit Menschen, die das Gleiche bewegt.“ – so schreibt es sich Boomer auf die Fahne. Das genau ist es, was einen Digitalen Third Place ausmacht!

Im Holistischen Generationenmentoring verbinden sich Lebensweisheit und Gelassenheit mit frischen Perspektiven und Neugier für ein neues gesellschaftliches Lebenszeitbewusstsein.

Genau deshalb bin ich hier dabei, trage im Inner Circle von Boomer mit meiner langjährigen Unternehmerinnen-Erfahrung zum Aufbau dieser wunderbaren Generationen-Plattform bei und bin seit Kurzem auch digitale Gastgeberin im „Slow Talking Circle“.

Um gemeinsam zu inspirieren, zu ermutigen und miteinander ins Gespräch und ins gemeinsame Tun zu kommen!

Schwupps formuliert die Wortkünstlerin in mir dazu dieses Credo:

Verbindungen schaffen.
Verständnis fördern.
Verbundenheit stärken.

Welche belebenden und stärkenden Erfahrungen, welche Ideen und Initiativen möchtest du teilen?

Dafür öffnen wir jetzt einen neuen Slow Talking Circle bei Boomer!

Oasengrüße von Gesa D. Löhr

Weiterführende Links

[1] Oldenburg, R. (1999): The Great Good Place: Cafés, Coffee Shops, Bookstores, Bars, Hair Salons, and Other Hangouts at the Heart of a Community.
https://www.amazon.de/Great-Good-Place-II-Revisited-ebook/dp/B0HCX26WZT

Die Bücher von Ray Oldenburg sind nur noch im englischen Original und antiquarisch erhältlich.

World Health Organization (2025): From loneliness to social connection: Charting a path to healthier societies. Report of the WHO Commission on Social Connection.
WHO Commission on Social Connection

OECD (2020): How‘s Life? 2020: Measuring Well-being – Social Connections.
OECD – Social Connections


© Gesa D. Löhr 2026
Text und Foto (mit freundlicher Genehmigung des Hotel Soulmade Garching): Gesa D. Löhr