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Leben ab 60

Jungsein ist kein Privileg – Steht zum Alter

von Birgit Zober · 2026-07-07T11:51:25.198+00:00

Ältere Frau mit ruhigem Blick und Kopftuch – Sinnbild für Lebenserfahrung, Gelassenheit und Würde im Alter.

Warum fällt es uns so schwer, alt zu sein? Birgit Zober plädiert dafür, das Alter endlich von Klischees zu befreien – und es als das zu sehen, was es ist: eine wertvolle Lebensphase.

Die Menschen werden immer älter. Der Bevölkerungsanteil der Alten nimmt stark zu. Aber niemand will alt sein! Ist das nur paradox oder eine kollektive Wahrnehmungstäuschung von uns Alten?

Wenn du 25 bist, sagen alle: Du bist ja noch jung! Wenn ich 65 werde und sage ich bin alt, ernte ich geradezu Empörung: „Du bist doch nicht alt!“. Warum will heute niemand alt sein, obwohl er es faktisch so ist? Ich sage, weil Alter und alt werden negativ konnotiert ist!

Jungsein ist kein Privileg

Wir leben in einer Gesellschaft, die dem Jugendwahn hinterherläuft. Alle wollen jung, gesund und erfolgreich sein. Selbst wenn wir es längst besser wissen sollten, laufen wir noch bis ins hohe Alter einem geradezu zerstörerischen Selbstoptimierungswahn hinterher. Dabei ist Jungsein gar kein Privileg. Altsein schon eher, denn nicht alle werden überhaupt alt.

Warum haben wir vom Älterwerden so ein negatives Bild? Alte haben keinen Spaß, sind nicht sexy, sie sind nicht mehr agil und haben keine Lust auf Neues? Wertschöpfung durch Ältere? Wer spricht darüber?

Das Problem sind unsere Altersbilder

Wir werden in der Werbung meist als weißhaarige, gebräunte Menschen, die für Treppenlifte und die Rentnerbravo (Apothekenumschau) werben dargestellt. Gleichzeitig werden für uns Ältere und Alte alberne Umschreibungen wie „Silver-Surfer“, „Best-Ager“ und „Golden-Generation“ erfunden.

Das wahre Problem liegt doch viel tiefer: die Wertschätzung für die alten Menschen in der Gesellschaft fehlt. Am liebsten würden wir sie unsichtbar machen. Uns mit ihren Themen (zu kleine Renten, Krankheiten, Einsamkeit) gar nicht befassen.

Aber wir Baby-Boomer – die Generation, die zwischen 1950 und 1964 geboren wurde – sind viele. 2022 wurden in Deutschland 0,74 Mio. Menschen geboren, 1964 waren es 1,36 Mio. Einfach so zu tun, als gäbe es uns nicht – funktioniert nicht. Außerdem sind viele dieser Generation in überaus verantwortungsvollen Positionen der Wirtschaft, der Medizin, der Politik, dem Journalismus, der Kunst und auch im Handwerk schlichtweg UNENTBEHRLICH.

Alter ist Erfahrung

Befreit das Altern und das Altsein von Klischees und nehmt uns als das, was wir sind: Menschen mit mehr als 60 Jahren Lebenserfahrung und ebenso viel angesammeltem wertvollen Wissen. Mit grauen oder gefärbten Haaren, mehr oder minder gesund, aber mit jeder Menge Energie das Leben und die Gesellschaft mitzugestalten!

In vielen Naturvölkern wurden die Alten geschätzt, weil sie Erfahrung und Wissen hatten und dieses an die Jungen weitergegeben haben. Heute braucht es das nicht mehr, es gibt ja Google und KI!? Neee. So einfach ist das nicht.

Gelassenheit ist eine Stärke

Elke Heidenreich hat ein interessantes Buch über das Altern herausgebracht. Die Tatsache, dass es das Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste beim Spiegel brachte, spricht schon für sich. Zeigt es doch, wir sind so viele, dass wir Bücher zu Bestsellern machen können! Oder glaubt ihr, das Buch wurde hauptsächlich von jungen Menschen gekauft?

In dem Buch zitiert Heidenreich unter vielen anderen auch den schon legendären „Rolling Stone“ Keith Richards, der mit über 80 noch auf der Bühne steht: „Wer die Angst vor dem Alter überwunden hat, kann es genießen“ und „ein Mittag- oder Abendessen ohne ein Glas Wein ist lächerlich“.

Ich denke, die GELASSENHEIT, die aus diesen Worten spricht, ist ein ganz wichtiges Attribut von uns Alten. Damit können wir das Leben aushalten und in Würde älter werden.

Steht zum Alter

Wir sollten den anderen Generationen erklären, dass kein Lebensabschnitt mehr Freiheiten bietet als das Alter!

Wenn wir ALT nicht mehr negativ belegen, dann kann ich ungehindert mein wahres Alter nennen, weil es neutral wäre. ALTSEIN heißt nicht, sich schlecht oder unzureichend zu fühlen. Das sollten Marketingstrategen endlich begreifen.

Dies schreibt eine Frau des Jahrgangs 1959, die sich selbst gern als alt bezeichnet und dafür kämpft, dass andere sich das ebenfalls trauen. Dass wir uns gar nicht mehr darüber freuen müssen, wenn jemand zu uns sagt: „Du siehst aber viel jünger aus!“ Nein, ich darf so alt aussehen, wie ich tatsächlich bin!

Dann wird endlich Alter als das wahrgenommen, was es ist: ebenso ein Lebensabschnitt wie die Jugend.


© Birgit Zober 2026
Text und Foto: Birgit Zober