Ratgeber
12 Fragen an eine Boomerin
von Birgit Zober · 2026-07-07T11:52:21.58+00:00
Birgit Zober beantwortet 12 Fragen über Sehnsuchtsorte, Bücher, Alleinsein, Älterwerden, Freiheit und das, was im Leben wirklich zählt.
Ob es sich dabei um typische oder spezielle Antworten handelt? …entscheidet selbst!
1. Gibt es Orte, die du unbedingt gerne besuchen möchtest?
Da kann ich viele nennen. Aber ganz besonders sind es die Küstenregionen Europas. Ich möchte z.B. unbedingt die Bretagne und die Normandie kennenlernen. Schottland, Irland, das Baltikum. Meine Sehnsuchtsorte sind fast immer eng mit dem Meer verbunden.
2. Welche Bücher haben dich beeinflusst?
Nicht lachen, aber ich glaube als erstes Buch hat mich Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren geprägt. Sie ist meiner Meinung nach sozusagen die Vorreiterin der Emanzipation. Frauen sollten sich nicht anpassen, sie können ihr Leben allein in Angriff nehmen. Außerdem Erich Fromms „Sein oder Haben“. Nicht der Besitz oder Kommerz sollten das Leben bestimmen, sondern das Tun, das Denken und das entsprechende Handeln.
3. Wann sagst du: das war ein schöner Tag?
Wenn ich spontan ein nettes Gespräch hatte oder mich jemand anlächelt. Wenn ich ein gutes Essen genießen konnte. Ein Tag den ich mit Freunden verbringen konnte. Wenn beruflich etwas gelungen ist. Wenn ich mit meinem Hund in der Natur spazieren gehe. Ich habe so viele schöne Tage in meinem Leben, weil es die kleinen Erlebnisse sind, die einen Tag zu einem schönen Tag machen.
4. Kannst du gut allein sein?
Auf alle Fälle. In meinem ganzen Leben gab es auch beruflich bedingt sehr viel Zeit, die ich allein unterwegs war. Wo ich in Hotels und fremden Städten übernachtet habe. Dadurch habe ich mittlerweile die Attitüde entwickelt, dass ich immer irgendwann, wenn ich mit Menschen zusammen bin, mich wieder auf die Ruhe und Besinnung des Alleinseins freue.
5. Was waren unvergesslichsten Momente bisher in deinem Leben?
Zuallererst fallen mir da die Momente auf einem kleinen Safariboot auf dem roten Meer ein. Einfaches Leben ohne Luxus mit ein paar Freunden an Deck. Unglaublich schöne Tauchgänge, schlafen unter freiem Himmel und nur das Meer um uns herum. Das erdet ungemein. Auch der nachgeholte 60.Geburtstag meines Freundes Siegbert im Seglerheim in Schwerin war unvergesslich. Oder einige berufliche Erfolge, die nur für mich so wichtig waren, weil sie mein Durchhaltevermögen, für etwas zu arbeiten und ganz bei mir zu bleiben, bestätigt haben.
6. Hast du schon mal online einen PartnerIn gesucht?
Ja. In den Jahren von 2005 bis 2010 war ich ausgiebig auf verschiedenen Plattformen im Netz unterwegs. Ich habe viele Menschen getroffen und zu einigen ganz wenigen habe ich heute sogar noch Kontakt. Eine Partnerschaft hat sich daraus nie ergeben. Ich denke heute, dass diese zielgerichtete Sucherei nicht wirklich gut ist. Es braucht Zeit und Muße sich wirklich kennenzulernen. Heute suche ich überhaupt nicht mehr. Ich freue mich, wenn ich neue Menschen real kennenlerne und lasse mich überraschen, welche gemeinsamen Gespräche oder Aktivitäten sich daraus ergeben. Heute bin ich eine zufriedene Alleinstehende.
7. Was gefällt Dir am älter werden?
Die Fähigkeit, Dinge besser und schneller einsortieren zu können, weil die Erfahrung einem hilft. Die Freiheit, einfach ich selbst zu sein, nicht irgendetwas hinterherzujagen. Dinge gelassener betrachten zu können, weil man gemerkt hat, dass diese gar nicht so wichtig sind. Zeit für philosophische Betrachtungen zu haben.
8. Welche Dinge sind in Deinem Leben wichtig?
Dinge sind nur Materie. Sie können schön oder bedeutungsvoll sein, wirklich wichtig im Leben sind sie mir nicht. Wichtig sind meine Freunde und Tiere, meine Freiheit, meine Selbstbestimmtheit, die Schönheit der Natur. Und gut erzeugtes Essen aus ökologisch Nahrungsmitteln, denn das verbindet sich schließlich mit meinem Körper und ernährt ihn. Ein kluger Japaner hat mal gesagt: Ein Essen liefert dir die Energie, die in dessen Erzeugung und Zubereitung hineingesteckt wurde.
9. Was würdest Du retrospektiv anders machen in deinem Leben?
Schwierige Frage. Ich glaube ich würde ein Handwerk lernen, statt zu studieren. Etwas herzustellen befriedigt sehr, weil das Ergebnis meist sichtbar und greifbar ist. Oft steckt mehr Sinnhaftigkeit in solchen Arbeiten würde ich heute sagen. Ansonsten war mein Leben gut so wie es war. Ich bin immer ich selbst geblieben, habe mich nie verleugnet und bin eigenen Entscheidungen gefolgt, mit deren Konsequenzen ich mich ganz gut zurechtgefunden habe.
10. Welche Persönlichkeit würdest Du gerne mal zu einem persönlichen Gespräch treffen?
Dunja Hajaly. Ich finde sie ist unglaublich klug und sympatisch. Wie sie mit ihrer schwierigen Situation in der Öffentlichkeit umgegangen ist. Sie wirkt so menschlich und ist andererseits sehr souverän. Mit ihr würde ich mich gern persönlich unterhalten.
11. Was vermisst Du in deinem Leben?
Ich hätte gern mehr Kontakt zu jungen Menschen, aber das ist schwierig, weil ich keine Familie habe und meine Kreise sich meist aus älteren Menschen zusammensetzen.
12. Was würdest Du tun, wenn Du „Kaiserin von Deutschland wärst“?
WOW! das ist komplex und schwierig so viel Verantwortung zu tragen! Ich denke, ich würde die besten Experten zu den einzelnen Themen der Staatsführung als Minister in ein Kabinett holen und dann deren Ratschläge konsequent von den Behörden des Landes umsetzen lassen. Was sich als nicht tauglich in der Praxis herausstellt, wird schnell entsprechend den Umständen angepasst. Ich denke auch, dass wir uns als Europäer einigen müssen und Wege der Zusammenarbeit ausbauen müssen, aber nicht durch unsinnige Gleichmacherei, sondern mit unseren landestypischen Stärken, die wir bündeln. Die Welt ist zu globalisiert als das wir nur auf uns selbst in einer Nation schauen können. Niemand kann die weltweiten Probleme allein lösen, aber wenn wir gemeinsam handeln, haben wir eine Chance
© Birgit Zober 2026
Text: Birgit Zober