Leben ab 60
Ich habe kein Problem mit Technik. Technik hat ein Problem mit mir.
von Anna & Lara · 2025-04-30T10:09:43+00:00
Ich bin nicht offline. Ich bin analog – mit Haltung. Über Passwortpanik, Zoom-Pannen und trotzdem nicht aufgeben.
Passwort vergessen – Würde behalten
Es gibt Momente, da wünsche ich mir, mein Computer hätte einfach nur ein Gesicht. Kein Update. Kein Menü. Kein "Sind Sie sicher, dass Sie fortfahren möchten?" Sondern einfach: ein Gesicht. Eines, dem man sagen kann: „Ich will nur diese blöde Datei wiederfinden.“
Aber nein. Mein Laptop hat keine Mimik. Dafür ein Gedächtnis wie ein Sieb. Oder ich. Oder beides.
Kleiner Kontext am Rand: Bei Boomer sprechen Menschen in moderierten Gesprächsrunden in kleiner Runde – ohne Feed, ohne Publikum. Gerade bei Themen wie Technik hilft es, wenn man Dinge einfach laut sagen darf, ohne sich klein zu fühlen. Wenn du dir Boomer kurz anschauen willst: Zu Boomer →. Und hier ein Artikel, der dieses „ohne Bühne“-Prinzip erklärt: Gespräche auf Augenhöhe →
Passwort? Welches Passwort?
Es fing harmlos an. Ich wollte mich in mein E-Mail-Postfach einloggen. Kein Problem, dachte ich. Ich bin ja nicht dumm. Mehr zu digitale Gespräche.
Doch mein Postfach dachte: Doch, bist du.
Erstes Passwort: falsch.
Zweites: auch.
Drittes: Vielleicht das von vor zwei Jahren? – Leider nein.
Dann die Sicherheitsfrage: „Wie hieß Ihr erster Hund?“
Ich hatte nie einen Hund.
Nach zehn Minuten, zwei leisen Flüchen und einem fast geschrotteten Kugelschreiber habe ich mir ein neues Passwort ausgedacht. Und es direkt wieder vergessen.
Ich hab kein Technikproblem. Ich hab ein Systemproblem.
Ich kann mein Fahrrad reparieren, meine Steuer sortieren, sogar meine Kaffeemaschine entkalken – aber sobald ein Pop-up-Fenster aufploppt mit den Worten „Authentifizieren Sie sich erneut“, bin ich raus.
Bin ich altmodisch? Vielleicht. Aber vielleicht ist auch einfach die Technik zu wenig menschlich.
Würde behalten – auch beim Fluchen
Was ich gelernt habe?
Ich darf fluchen.
Ich darf scheitern.
Und ich darf dabei trotzdem aufrecht bleiben.
Ich habe das PDF am Ende gespeichert. Fünf Minuten später. In einem Ordner, den ich jetzt nie wieder finde. Aber: Ich hab’s gespeichert.
Und das zählt.
Zoom rein, Kamera raus
Mein erstes Zoom-Meeting war... sagen wir: lehrreich. Ich hatte extra einen schönen Hintergrund gesucht – Bücherwand, Kerze, Stil. Nur leider sah niemand davon etwas. Weil meine Kamera aus war. Mehr zu Online-Gespräche.
Ich hatte auf „Video starten“ geklickt. Mehrmals. Die Kamera blinkte. Dann wieder nicht. Dann startete sie, aber zeigte: den Flur. Mehr zu digitale Gespräche ohne Stress.
Ich saß auf dem Sofa. Aber Zoom war der Meinung, mein Heizkörper sei interessanter.
Technik kann sehr demütigend sein
Ich hörte alle. Ich sprach. Niemand antwortete. Fünf Minuten später kam eine WhatsApp von einer Freundin:
„Dein Mikro ist aus. Aber wir sehen deinen schönen Pullover!“
Ich hätte heulen können. Stattdessen hab ich gelacht. So ein kleines Lachen, das gleichzeitig meint: „Ich geb nicht auf.“
Ich hab's dann doch noch geschafft. Ton an, Kamera richtig, ich mitten im Gespräch. Und weißt du was? Niemand hat mich ausgelacht. Alle kannten das. Wirklich alle.
Ich bin nicht defekt – ich bin Lernende
Es gibt diese Idee, dass man „es halt können muss“. Sonst ist man raus. Oder alt. Oder beides.
Aber ich glaube: Das ist Quatsch.
Ich habe kein Problem mit Technik. Ich habe ein Problem mit Erwartungen, die vergessen, dass Technik nicht intuitiv ist – sondern erlernt.
Ich hab nie Angst vor Knöpfen. Ich hab Angst davor, mich dumm zu fühlen.
Aber ich bleibe trotzdem im Bild
Ich lasse mich nicht rausklicken.
Ich lasse mich nicht beschämen.
Und wenn ich mich mal digital verlaufe – dann frag ich. Ohne Scham. Mehr zu Video.
Denn ich bin vielleicht nicht schnell. Aber ich bin da. Mehr zu Online-Gespräche.
Ich bin nicht zu blöd – das ist zu kompliziert
Es gibt diesen Moment, da klickt man auf „Speichern unter“ – und das System fragt:
„Möchten Sie in diesem Verzeichnis eine verschlüsselte ZIP-Datei erstellen?“
Und ich denke:
„Ich wollte nur die Einkaufsliste ausdrucken.“
Ich bin nicht gegen Technik. Ich bin gegen Überforderung als Standard.
Die wahren Systemfehler
Ich bin nicht zu langsam.
Ich bin nicht „digital naiv“.
Ich bin einfach nicht bereit, mich kleinzumachen für ein System, das mir nicht entgegenkommt.
Warum sind Menüführungen kryptisch?
Warum ist „Abo kündigen“ immer so gut versteckt wie früher das Osterlamm im Garten?
Warum braucht ein WLAN-Router ein Studium?
Ich sag dir warum: Weil es nie für Menschen wie mich gebaut wurde. Nicht für Menschen mit Lebenserfahrung. Mit anderen Prioritäten. Mit einem gesunden Maß an: „Ich will nur, dass es funktioniert.“
Digitale Sprache – aber bitte mit Untertiteln
Ich muss nicht wissen, was ein API-Key ist.
Ich muss nur meine Unterlagen hochladen können.
Ich muss nicht verstehen, wie Algorithmen funktionieren.
Ich will einfach nicht den Zugriff auf mein Konto verlieren, wenn ich eine Zahl falsch eingebe.
Früher hieß es: „Ruf uns an, wir helfen dir.“
Heute: „Stellen Sie eine Support-Anfrage über das Formular unter Punkt 12.4.1 unserer FAQ.“
Ich sage: Nein. Danke.
Ich lasse mir nicht einreden, dass ich falsch bin
Ich bin nicht schuld, wenn ich nicht weiterkomme.
Ich bin nicht unfähig, wenn mir ein Pop-up den Nerv raubt.
Ich bin nicht weniger wert, nur weil ich lieber telefoniere als chatte.
Ich darf Hilfe brauchen. Ich darf Fragen stellen. Ich darf sagen: „Ich verstehe das nicht.“
Und weißt du was? Das ist kein Scheitern. Das ist Mut zur Klarheit. Mehr zu warum Video besser ist.
Ich bin analog – mit Haltung
Heute weiß ich:
Ich muss nicht alles können.
Aber ich kann genug, um dabei zu sein.
Ich kann Mails lesen. Ich kann ein Zoom-Meeting starten.
Ich kann Apps installieren – naja, meistens.
Und wenn’s mal nicht klappt, dann frage ich. Nicht mit Scham, sondern mit Neugier.
Ich bin nicht offline. Ich bin bei mir.
Ich lasse mir nichts mehr einreden.
Nicht von Digitalberatern. Nicht von Plattformen. Nicht von Updates, die behaupten, mein Leben zu verbessern.
Mein Leben ist nicht besser, wenn ich schneller wische.
Es ist besser, wenn ich es spüre.
Ich bin nicht offline.
Ich bin präsent – mit Kabel oder ohne.
Technik ist ein Werkzeug. Kein Maßstab.
Ich definiere mich nicht über Devices.
Ich definiere mich über Begegnung. Über Haltung.
Und manchmal – über den Mut, laut zu sagen:
„Ich hab’s nicht verstanden. Kannst du’s mir nochmal zeigen?“
Und weißt du was?
Die meisten Menschen erklären gern, wenn man sie fragt.
Nur das System tut manchmal so, als müsste man alles schon wissen.
Ich habe gelernt:
Technik braucht weniger Perfektion – und mehr Geduld.
Und ein bisschen Humor.
Ich bleibe dabei – auf meine Art
Ich bin vielleicht nicht schnell.
Aber ich bin da.
Ich bin nicht immer sicher.
Aber ich traue mich.
Und manchmal – da klappt’s.
Ich lade etwas hoch, buche etwas online, verschicke ein PDF und denke:
„Ha! Schau, Technik – ich hab dich.“
Und wenn’s mal nicht klappt?
Dann weiß ich: Ich bin nicht das Problem.
Ich bin analog – mit Haltung. Und das reicht.